Praxisbeispiel

Eine Lerntherapiestunde mit Marc

Marc ist 10 Jahre alt und besucht die 4. Klasse der Grundschule. Durch einen schulischen Test wurde festgestellt, dass er Legastheniker ist. Seit einiger Zeit kommt er einmal wöchentlich zur Lerntherapie. Marc kommt in den Therapieraum und schaut sich zu Beginn der Stunde ein Bild an der Tafel an, das vom vorhergehenden Kind für ihn gemalt wurde. Die Lerntherapeutin begrüßt ihn und fragt, was er in der vergangenen Woche besonders gut gemacht hat. Marc berichtet stolz, dass er es geschafft hat, sich im Unterricht beim Vorlesen zu melden und dafür von der Lehrerin gelobt wurde.

In einem kurzen Gespräch wird hervorgehoben, wie Marc es geschafft hat, sich zu melden und er nimmt sich vor, es in der nächsten Woche erneut zu versuchen. Geholfen hat ihm dabei seine Kraftfigur, die er in einer anderen Therapiestunde selbst hergestellt hat. Sie begeleitet ihn jetzt immer in seiner Federtasche zur Schule.

Als nächstes spielen die Therapeutin und Marc ein rhythmisches Spiel, bei dem Körperkoordination, Merkfähigkeit und Bewegungsfantasie gefragt sind. Durch Überkreuzbewegungen wird außerdem das Zusammenarbeiten der beiden Gehirnhälften angeregt.
Anschließend liest die Lerntherapeutin Marc ähnlich klingende Silben vor, z.B. godu – gudu. Klingen beide Silben gleich, schlägt er eine Klangschale an, sind sie verschieden, schlägt er die Trommel. Marc hat wie viele Kinder mit Lese-Rechtschreibproblemen eine Lautdifferenzierungsschwäche. Er kann z.B. den Unterschied zwischen o und u nicht hören. Diese Fähigkeit soll durch ein Training der phonologischen Bewusstheit verbessert werden. Denn was er nicht richtig hört, kann er nicht korrekt aufschreiben.

Jetzt ist es Zeit für das Thema „Doppelkonsonanten“. In anderen Stunden hat Marc schon gelernt, wie man über das Zergliedern eines Wortes in Silben, erkennen kann, dass ein Doppelkonsonant im Wort vorkommt. Um das Erlernte zu automatisieren, spielt die Lerntherapeutin heute mit ihm „Roulette“. Um einen Holzreifen werden Kärtchen mit Lückenwörtern z. B. Bu – er, t oder tt, Ra – en, s oder ss, verteilt. Eine Murmel wird im Innenkreis angeschoben und Marc bearbeitet das Kärtchen, bei dem sie anhält. Nachdem er mit lautem Mitsprechen das Wort geschwungen hat, trifft er eine Entscheidung und bildet einen Satz mit dem Lückenwort.

Zum Abschluss der Stunde spielt die Lerntherapeutin auf Wunsch von Marc das Spiel „Gruselino“ mit ihm. Hier werden die visuelle Merkfähigkeit, Konzentration und das Reaktionsvermögen geschult. Marc denkt noch daran, für das nächste Kind etwas an die Tafel zu malen und nimmt seine Hausaufgabe, ein Arbeitsblatt zum Thema „Dopplung“ entgegen.